Scorecard mit fünf Kennzahlen zur nachvollziehbaren Lieferantenbewertung
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Fertigungsbetriebe

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Welche Kennzahlen machen die Lieferantenbewertung nachvollziehbar?

Fünf Lieferantenkennzahlen für Fertigungsbetriebe: Zähler, Nenner, Zeitraum und ein durchgerechnetes Scorecard-Beispiel mit offengelegten Annahmen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Fünf Kennzahlen genügen für eine belastbare Lieferanten-Scorecard: Qualität, Termintreue, Reaktionsfähigkeit, Kostenentwicklung und Verbesserungsaktivität.
  • Jede Kennzahl braucht Zähler und Nenner, einen festen Monatsbezug und eine dokumentierte Datenquelle.
  • Die IHK Berlin nennt Produktqualität, Lieferzeiten und Preis-Leistungs-Verhältnis als klassische Beschaffungskriterien, die sich in genau diese Messgrößen übersetzen lassen.

Fünf Kennzahlen mit klaren Zählern und Nennern

Eine nachvollziehbare Bewertung beginnt nicht mit einer Gewichtung, sondern mit der Frage, was gezählt wird. Die IHK Berlin empfiehlt, Lieferanten neben Produktqualität und Lieferzeiten auch nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis zu beurteilen. Diese drei Punkte werden hier in fünf messbare Kennzahlen übersetzt, jeweils mit Monatsbezug.

1. Beanstandungsquote: Zähler sind die beanstandeten Teile aus der Wareneingangsprüfung, Nenner die tatsächlich geprüften Teile. Nicht geprüfte Positionen bleiben außen vor, sonst sinkt die Quote rechnerisch ohne Qualitätsgewinn.

2. Termintreue: Zähler sind die termingerecht eingetroffenen Lieferpositionen, Nenner alle zugesagten Positionen des Monats. Wichtig ist die Ankunft im Werk, nicht das Versanddatum. Xometry weist in seinen FAQ ausdrücklich darauf hin, dass das angezeigte Datum den Versand am Produktionsort meint.

3. Reaktionsfähigkeit: Zähler sind die innerhalb der vereinbarten Frist beantworteten Anfragen oder Abweichungsmeldungen, Nenner alle gestellten Fälle. Die Frist selbst muss vorab schriftlich fixiert sein, etwa zwei Werktage.

4. Kostenentwicklung: Ein gewichteter Preisindex mit fixiertem Warenkorb, Basis 100 im Referenzmonat. Einzelne Preisausreißer verzerren das Bild, deshalb der feste Warenkorb.

5. Verbesserungsaktivität: Zähler sind die fristgerecht geschlossenen, gemeinsam vereinbarten Maßnahmen, Nenner alle vereinbarten Maßnahmen. Offene Punkte zählen nicht als erledigt.

Durchgerechnetes Beispiel und typische Fallen

Die folgende Monatstabelle ist ein hypothetisches Rechenbeispiel, keine Branchenvorgabe und kein gemessener Lieferantenergebniswert.

Kennzahl Zähler Nenner Ergebnis
Beanstandungsquote 8 beanstandete Teile 400 geprüfte Teile 2,0 %
Termintreue 18 Positionen 20 Positionen 90 %
Reaktionsfähigkeit 9 Fälle 10 Fälle 90 %
Kostenentwicklung Warenkorb bei 104 Basis 100 +4 %
Verbesserungsaktivität 3 Maßnahmen 4 Maßnahmen 75 %

Aus diesen Zahlen entsteht keine Gesamtpunktzahl, weil die Grundgesamtheiten verschieden sind. Terminpositionen, geprüfte Teile und Reaktionsfälle lassen sich nicht addieren. Wer dennoch eine Kennzahl verdichten will, muss vorher eine Gewichtung festlegen und diese Entscheidung dokumentieren.

Für die Qualitätsseite lohnt sich ein Blick auf verfügbare Nachweise. Xometry listet als Berichtsformate unter anderem Standardmessprotokoll, KMG-Inspektionsbericht und Erstmusterprüfbericht. Solche Dokumente machen die Prüfbasis nachvollziehbar, ersetzen aber kein eigenes Kennzahlensystem.

Wichtig bei allen fünf Kennzahlen: Datenquelle und Erfassungszeitraum gehören in die Scorecard. Ohne diese Angaben ist jede Zahl später nicht mehr prüfbar.

Häufige Fragen

Warum sollte man ungeprüfte Positionen nicht in die Beanstandungsquote einrechnen? Weil die Quote sonst von der Prüfintensität abhängt und nicht von der Lieferqualität. Nur tatsächlich geprüfte Teile gehören in den Nenner.

Welche Frist gilt für die Reaktionsfähigkeit? Maßgeblich ist die im Liefervertrag oder in der Bestellung vereinbarte Frist, etwa zwei Werktage für Rückmeldungen. Die Frist sollte vor der ersten Bewertung schriftlich fixiert werden.

Darf man die fünf Kennzahlen zu einer Punktzahl zusammenfassen? Rechnerisch ja, aber nur mit vorher festgelegter Gewichtung und dokumentierter Entscheidung. Die Grundgesamtheiten der Einzelwerte dürfen dafür nicht einfach addiert werden.

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