
Fertigungsbetriebe
Teil von Wie organisieren Sie die Zusammenarbeit mit einem Lohnfertiger?
Externe Fertigungskapazität nach Aufwand und Lieferrisiko beurteilen
Make-or-Buy für Fertigung: Kostenarten, Angebotsbasis und Lieferrisiko vergleichen, mit Rechenblatt, Engpassstunden und dokumentierter Entscheidung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Externe Kapazität ist kein Selbstläufer: erst Engpass und Termin prüfen, dann rechnen.
- Kosten immer auf dieselbe Stückzahl, dieselbe Prüftiefe und dieselbe Terminbasis beziehen.
- Ein Rechenblatt mit eigenen Annahmen macht die Entscheidung später nachvollziehbar.
Wann externe Kapazität überhaupt infrage kommt
Externe Fertigung löst ein Kapazitätsproblem, kein Kostenproblem. Prüfen Sie zuerst, welche Stunden im Engpass wirklich fehlen. Wenn die eigene Anlage in den nächsten Wochen ohnehin stillsteht, entlastet ein externer Auftrag kaum. Fehlen dagegen Stunden genau im Lieferfenster, kann die Entscheidung trotz höherem Stückpreis richtig sein. Prüfen Sie außerdem, ob die Aufgabe eine Kernkompetenz berührt. Wer Verfahrenswissen, Prüfmittel und Rüstzeiten dauerhaft aufbaut, sollte die Fertigung nur bei belegtem Engpass abgeben.
Kostenarten nach Protolabs einordnen
Protolabs nennt in einem Kostenbeitrag vom 6. Juli 2021 drei große Faktoren: Rohstoff, Herstellungszeit und Fixkosten. Zur Herstellungszeit gehören Bearbeitungszeit, Werkzeugverschleiß und Vorrichtungen für das sichere Aufspannen. Als zusätzliche, nicht direkt wertschöpfende Tätigkeiten nennt der Beitrag Verpacken, Messen und Prüfen, Kalibrieren, Einrichten, Arbeitsvorbereitung sowie Angebotserstellung und Kundenkommunikation. So ordnen Sie diese Punkte ein: Es ist eine datierte Erklärung von Kostenarten, keine aktuelle Preisliste. Eigene Einrichtungs- und Prüfkosten sollten Sie getrennt erfassen, weil sie sich anders als Stückkosten verhalten.
Terminbasis und Verfügbarkeit klären
Die Xometry-FAQ beschreibt, wie Aufträge zugeordnet werden. Relevant sind die Kapazitäten und Verfügbarkeiten der Lieferanten im Netzwerk. Bei Wiederholbestellungen bleibt derselbe Fertigungspartner nur, wenn er verfügbar ist. Rechnen Sie deshalb nicht mit einem festen Betrieb. Ein weiterer Punkt betrifft den Termin: Das angezeigte Datum im Angebot bezeichnet den Versand am Produktionsstandort, nicht die Ankunft bei Ihnen. Transportzeit und Eingangsprüfung kommen hinzu. Fragen Sie vor der Bestellung, ob die gewünschte Prüftiefe vor Produktionsstart spezifiziert werden kann.
Rechenbeispiel: 40 Teile, bewusst vereinfacht
Die folgende Rechnung ist ein erfundenes, offen deklariertes Beispiel für 40 Teile, keine Marktrate und kein echtes Angebot.
| Position | Intern | Extern |
|---|---|---|
| Rüsten/Einrichten | 180 € | im Stückpreis |
| variable Kosten | 40 × 12 € = 480 € | 40 × 14 € = 560 € |
| Transport | entfällt | 60 € |
| Wareneingangsprüfung | 0 € | 90 € |
| Summe | 660 € | 710 € |
Extern liegt die Summe hier 50 € höher. Das Beispiel unterstellt, dass Gemeinkosten, Werkzeugverschleiß und Personalbindung auf beiden Seiten gleich bleiben. In der Praxis sind genau diese Positionen oft der Unterschied. Ergänzen Sie die Zeilen deshalb mit eigenen Werten und vermerken Sie Annahmen, Datum und Quelle.
Entscheidung mit freien Engpassstunden bewerten
Rechnen Sie die Kosten und den Termin getrennt. Eine einfache Merkhilfe: Vermeidbare externe Kosten geteilt durch die freigesetzten Engpassstunden ergeben den Preis pro gewonnener Stunde. Liegt dieser Wert über dem Beitrag, den eine Engpassstunde intern erwirtschaftet, ist die externe Option wirtschaftlich schwer zu begründen. Prüfen Sie außerdem, ob ein Teil des Auftrags intern bleibt. Eine Mischung kann Rüstzeit sparen und dennoch Termine sichern. Diese Methode ist eine eigene, vereinfachte Orientierung, kein Ersatz für eine vollständige Investitionsrechnung.
Entscheidung dokumentieren und nachbereiten
Halten Sie schriftlich fest: Mengen und Termine, gewählte Option, Kostenannahmen, freie Engpassstunden, Restrisiken und Prüfumfang. Eine kurze Checkliste genügt:
- Engpass und Lieferfenster benennen
- vergleichbare Angebotsbasis festhalten
- Prüftiefe vor Produktionsstart klären
- Terminbasis Versand oder Ankunft markieren
- tatsächliche Kosten nach Auftragsabschluss abgleichen
Nach dem Auftrag vergleichen Sie Abweichungen bei Stückpreis, Prüfaufwand und Lieferzeit. Erst dieser Abgleich zeigt, ob die Annahmen belastbar waren.
Häufige Fragen
Wann lohnt sich externe Fertigung trotz höherem Stückpreis? Wenn interne Engpassstunden fehlen und der Termin sonst nicht zu halten ist.
Was sagt das Xometry-Angebotsdatum aus? Es bezeichnet den Versand am Produktionsstandort, nicht die Ankunft bei Ihnen.
Sind die genannten Euro-Werte Marktpreise? Nein. Es sind offengelegte Beispielwerte für 40 Teile.


