
Betriebsmittel
Teil von Wie wählen Sie eine Werkzeugmaschine für Teile und Prozesse aus?
Die Haas ST-10 anhand von Spannraum und Werkzeugrevolver einordnen
Haas ST-10 technische Daten prüfen: Spannfutter, Stangendurchlass und Drehdurchmesser je Revolverausführung richtig gegen das eigene Bauteilspektrum abgleichen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die ST-10 ist eine kompakte Drehmaschine mit 165 mm Spannfutter und 44 mm Stangendurchlass.
- Der maximale Drehdurchmesser hängt von der bestellten Revolverausführung ab.
- Alle Angaben sind Herstellerangaben der Standardkonfiguration, kein unabhängiger Maschinentest.
Spannfutter, Stange und Drehlänge abgleichen
Die technische Datenliste der Haas ST-10 nennt ein Spannfutter von 165 mm und eine Stangenkapazität von 44 mm. Wer Stangenmaterial zuführt, prüft den geforderten Stangendurchmesser zuerst gegen diese 44 mm, nicht gegen den größeren Spindelbohrungsdurchmesser.
Drehdurchmesser nach Revolverausführung
BOT
- Max. Drehdurchmesser
- 305 mm
- Spannfutter
- 165 mm
- Stangendurchlass
- 44 mm
- Max. Drehlänge
- 406 mm
BMT45
- Max. Drehdurchmesser
- 279 mm
- Spannfutter
- 165 mm
- Stangendurchlass
- 44 mm
- Max. Drehlänge
- 406 mm
VDI
- Max. Drehdurchmesser
- 173 mm
- Spannfutter
- 165 mm
- Stangendurchlass
- 44 mm
- Max. Drehlänge
- 406 mm
Die maximale Drehlänge von 406 mm entspricht dem Z-Verfahrweg. Sie ist von der Werkstückspannung abhängig. Eine Drehlänge von 406 mm setzt also eine Spannlösung voraus, die diesen Bereich tatsächlich freigibt.
Den Drehdurchmesser dem Revolver zuordnen
BOT, BMT45 und VDI unterscheiden sich nicht nur in der Werkzeugaufnahme, sondern auch im erreichbaren Drehdurchmesser. Die Datenliste nennt 305 mm mit BOT, 279 mm mit BMT45 und 173 mm mit VDI. Diese Werte gelten je bestellter Ausführung, denn die Maschine trägt nur einen dieser Revolver.
Die Differenz zwischen BOT und VDI beträgt 132 mm, gerechnet als 305 mm minus 173 mm aus derselben Datenliste. Für ein Drehteil mit 250 mm Außendurchmesser wäre die VDI-Ausführung allein wegen dieser Zahl ungeeignet, die BOT-Ausführung dagegen im Bereich des Möglichen. Das ist ein hypothetisches Rechenbeispiel anhand der Herstellerwerte, keine generelle Empfehlung.
Die ST-10 hat einen 12-fach-Revolver. Welche Ausführung Standard ist, ob BOT oder VDI, nennt die Datenliste nicht; diese Lücke bleibt offen. Ebenso fehlt die Angabe, welche angetriebenen Werkzeuge je Revolverausführung verfügbar sind. Vor der Bestellung klärt man, welche angetriebenen Werkzeuge, ob überhaupt, für das eigene Teil nötig sind.
Der allgemeine Drehleitfaden von Sandvik Coromant zählt als Einflussgrößen vor der Bearbeitung unter anderem Stabilität, Leistung und Drehmoment, Bauteilspannung und Kühlmitteldruck auf.
Spindel und Spannung am Beispielteil prüfen
Die ST-10 nennt 11,2 kW maximale Spindleistung, 6000 U/min und maximal 102 Nm bei 1300 U/min. Optionale Ausstattungen können diese Werte verändern. Ob die angegebene Maximalleistung dauerhaft abrufbar ist, sagt die Datenliste nicht.
Das folgende Prüfschema nutzt zwei fiktive Beispielteile, um die drei knappsten Grenzen sichtbar zu machen.
Herstellerangabe
- Stangendurchlass
- 44 mm
- Drehdurchmesser BOT
- 305 mm
- Drehlänge
- 406 mm
- Revolverausführung
- Standard nicht angegeben
- Angetriebene Werkzeuge
- je Ausführung nicht angegeben
- Ergebnis
Angebotsangabe
- Stangendurchlass
- laut Angebot eintragen
- Drehdurchmesser BOT
- laut Angebot eintragen
- Drehlänge
- laut Angebot eintragen
- Revolverausführung
- laut Angebot eintragen
- Angetriebene Werkzeuge
- laut Angebot eintragen
- Ergebnis
Beispielteil A
- Stangendurchlass
- 30 mm
- Drehdurchmesser BOT
- 180 mm
- Drehlänge
- 250 mm
- Revolverausführung
- BOT gewählt
- Angetriebene Werkzeuge
- nicht benötigt
- Ergebnis
- innerhalb aller drei Grenzen
Beispielteil B
- Stangendurchlass
- 52 mm
- Drehdurchmesser BOT
- 180 mm
- Drehlänge
- 250 mm
- Revolverausführung
- BOT gewählt
- Angetriebene Werkzeuge
- nicht benötigt
- Ergebnis
- überschreitet 44 mm
Beide Beispielteile liegen beim Drehdurchmesser und bei der Drehlänge innerhalb der Grenzen. Beispielteil B scheitert nur an der Stangenkapazität. Die fiktiven Maße sind frei gewählt und belegen keine reale Zerspanbarkeit.
Für eine Angebotsanfrage sammelt man fünf Angaben: größter Außendurchmesser, größte Drehlänge, Stangendurchmesser, benötigte Revolverausführung und gewünschte angetriebene Werkzeuge. Erst mit diesen Werten lässt sich die ST-10 gegen das eigene Bauteilspektrum prüfen.



